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Während sich die Bundesregierung in Kopenhagen auf internationalem Parkett als Klimavorreiter präsentiert, soll daheim möglichst lautlos der Klimaschutz aus dem Gesetz gestrichen werden: Noch während der Klimaverhandlungen wollen die schwarz-gelben Regierungsfraktionen in NRW die Klimaschutz-Ziele ersatzlos aus dem Gesetz zur Landesentwicklung tilgen. Einziges Ziel: Die Regierung von Jürgen Rüttgers will, dass der Energiekonzern Eon weiter am größten Kohlekraftwerksblock Europas bauen kann! Ein Gericht hatte den Bau wegen des Verstoßes gegen zahlreiche Gesetze gestoppt.
Dies würde ein fatales Signal nach Kopenhagen senden: Wie soll eine deutsche Bundesregierung glaubhaft China, Indien und Brasilien zu ambitionierten Klimaschutz-Zielen bewegen, wenn daheim Konzernprofiten statt Klimaschutz Vorfahrt gewährt wird! Jetzt müssen wir die Regierung Rüttgers von ihrer Klientelpolitik abbringen!
Derzeit sind bundesweit 27 Kohlekraftwerke im Bau oder in der Planung - 11 davon alleine in Nordrhein-Westfalen. Damit setzen Politik und Energiekonzerne auf eine veraltete Dinosaurier-Technologie:
Die Kohlelobby behauptet, mit neuen Kohlekraftwerken würde bald kein CO2 mehr in die Atmosphäre freigesetzt. Deutschland werde bei seiner Energieversorgung unabhängig. Einige argumentieren, nur mit neuen Kohlekraftwerken sei der Atomausstieg möglich (Mehr zur Lobbyoffensive bei klima-luegendetektor.de). Diese Argumente halten einer Prüfung nicht stand:
Die Debatte um das Kohlekraftwerk Datteln ist ein Vorgang beispielloser Kumpanei auf Kosten des Klimaschutzes. Vor drei Monaten fällte das Oberverwaltungsgericht Münster ein vielbeachtetes Urteil: Der Bau des Kohlekraftwerks Datteln musste gestoppt werden - obwohl der 1,2 Milliarden Euro teure Klimakiller schon zur Hälfte fertiggestellt ist und 2011 an Netz gehen sollte. Der Grund: Der Regionalplan, auf dem der Bau der Anlage basiert und der vom NRW-Wirtschaftsministerium genehmigt wurde, sei nicht vereinbar mit Paragraf 26 im Gesetz zur Landesentwicklung. Dieser verlangt den Einsatz "einheimischer und regenerierbarer Energieträger". Dabei geht es nicht nur um Datteln: Der Richterspruch betrifft auch einige weitere der elf in Nordrhein-Westfalen geplanten Kohlekraftwerke in Frage.
Bei der Aufstellung des Bebauungsplans für das Kraftwerk hatte sich die Stadt Datteln intensiv vom Energiekonzern Eon beraten lassen – und hat dabei zahlreiche Regeln übertreten. In insgesamt neun Punkten ist der Bebauungsplan rechtswidrig. Dennoch lässt die Regionalregierung erst einmal auf der Basis älterer Teilgenehmigungen an Teilen des Kraftwerks weiterbauen, obwohl es sich juristisch um einen Schwarzbau handelt. Denn mit dem Urteil ist passiert, was sich in NRW niemand vorstellen konnte: Ein Gericht entscheidet gegen die Kohlelobby und bewertet Umweltinteressen höher bewertet als die Profitinteressen der Energiekonzerne.
Für Eon steht viel auf dem Spiel: Wird das Kraftwerk gekippt, muss der Konzern auf eigene Kosten alles wieder abreissen. Doch nach außen gibt sich Konzernchef Bernotat selbstsicher, das Kraftwerk vollenden zu können: "Wir spüren eine sehr große Unterstützung vor allem von der Politik in Nordrhein-Westfalen!" Davon kann man wirklich sprechen: Innerhalb von nur drei Monaten will die Regierung Rüttgers den der Kraftwerksplanung im Wege stehenden Paragraphen vom Landtag einfach streichen lassen. Landesrecht soll damit an die Interessen des Energiekonzerns angepasst werden - und nicht der Bebauungsplan an das Landesrecht. (Gesetzesentwurf der Landesregierung Drucksache 14/9853 und die Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft, Mittelstand und Energie Drucksache 14/10387)
Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass sich Bernotat zu früh gefreut hat - und die Seilschaften in die Politik diesmal nicht tragen. Denn eine Lex E.on würde ein fatales Signal Richtung Kopenhagen senden: Klimaschutz verkäme zur Beliebigkeit.